Die GEW zu Besuch im Landtag NRW – Ein Erfahrungsbericht

3 min geschätzte Lesedauer

16. May 2024

von Silke Weinberger-Brümmer, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft AG 60+, Köln 

Vor Kurzem erzählte ein Kollege im Landesausschuss begeistert vom Besuch seiner Ruheständlergruppe in Berlin auf Einladung seines Bundestagsabgeordneten. Bei so einem Besuch geht es ja vor allem um das Kennenlernen von Parlamenten und parlamentarischer Arbeit. Und das kann man in unserer Landeshauptstadt genauso gut erledigen, nicht als mehrtägige Reise nach Berlin, sondern aufgrund der größeren Nähe als Tagesfahrt.

Dazu suche man sich in seinem lokalen Umfeld eine:n Landtagsabgeordnete:n, deren/dessen Programm und Person einem sympathisch sind, kontaktiere das entsprechende Wahlkreisbüro (sowas haben die meisten) und frage vorsichtig an. Landtagsabgeordnete haben genau wie ihre Berliner Kolleg:innen die Möglichkeit, Gruppen von bis zu 50 Personen ins Landesparlament einzuladen.

Das hatten wir von Köln aus in die Wege geleitet und ursprünglich an etwa 25 Teilnehmende gedacht. Wir wurden aber vom Interesse der Kolleg:innen quasi überrollt und bekamen deshalb im letzten Mai eine Gruppe für uns alleine. Dieser Termin fiel dann aber ins Wasser bzw. in den Schweiß, denn die Klimaanlage des Landtags gab ihren Geist unbedingt in einer Hitzeperiode auf.

Der Ersatztermin lag dann Ende November (keine Gefahr für Hitze-Exzesse, und die Heizung funktionierte). Tatsächlich konnte und wollte auch fast die ganze Gruppe wieder teilnehmen. Wir fuhren von Köln-Mülheim aus mit dem Zug und Straßenbahn. Uns so wäre dann alles gut gewesen, wenn… ja wenn ich die letzte Email des Abgeordnetenbüros genau gelesen hätte – die Abfahrtszeit war vorverlegt worden, weil man der Pünktlichkeit der Bahn nicht so recht traute (zu Recht übrigens). So aber kam zehn Minuten vor Abfahrt der Alarm-Anruf einer Kollegin, wo ich denn bliebe. Nun wohne ich in Bahnhofsnähe, und ein nicht unbedingt knieschonender Humpel-Spurt und zwei Minuten Zugverspätung (kann auch mal nützlich sein) haben mich gerade noch rechtzeitig auf Gleis 7 gebracht.

Der Check-In im Landtag ist dann genauso nervend wie auf einem Flughafen. Mein Taschenmesser, das ich blöderweise mitgenommen hatte, wurde erst einmal eingezogen. Am Ende habe ich auch noch vergessen, es wieder abzuholen, und seitdem ist es zwar auf dem Rückweg zu mir, aber noch nicht angekommen. Im Anschluss lief dann aber auch für mich Schussel alles reibungslos nach dem vorgesehenen Plan:

  • am Anfang oder am Ende ein Happen zu Essen
  • Einführung in den Landtag (Institution, Funktion, Geschichte und Gebäude)
  • Teilnahme an einer Sitzung auf der Besuchertribüne für eine Stunde
  • Gespräch (auch für eine Stunde) mit der/dem einladenden Landtagsabgeordneten.

Einzelheiten der Einführung erspare ich mir und Ihnen, denn bei Interesse am Thema kriegen Sie das vor Ort selbst und besser zu hören. Aber es hat mich doch gewundert, dass dieser riesige Gebäudekomplex schon wieder zu klein und eine Erweiterung von Nöten sein soll. Mit der Sitzung hatten wir Glück: Die erste Lesung des Haushaltsentwurf 24 stand an (da wusste man wenigstens worum es geht). Minister Optendrenk fand ihn natürlich richtig und gut, die Redner der Opposition sagen das ganz oder mindestens teilweise anders. Der Entwurf ging dann in die Ausschüsse und wir in den Raum der Landespressekonferenz zu unserer Landtagsabgeordneten. Carolin Kirsch (SPD) ist glücklicherweise Mitglied im Wissenschaftsausschuss, und so konnten denn auch ein paar Fragen, die uns als ehemaligen Pädagog:innen aller Art am Herzen liegen, aufs Tapet (Lehrerausbildung, Inklusionspauschale, Mittel für die Landeszentrale für politische Bildung).

Unser Frühstück hatten wir gleich anfangs bekommen, also folgte die – Gott sei Dank . unspektakuläre Rückreise. Die Resonanz war bei allen, mit denen ich gesprochen habe, ausgesprochen positiv. Und so kann ich nur alle anderen ermutigen, auch nach Düsseldorf zu reisen, um an den Parlamentarismus etwas näher kennenzulernen. Nur Ihre Taschenmesser sollten Sie zu Hause lassen und natürlich Ihre E-Mails genauer lesen als ich.

Hier den Artikel von Carola Kirsch weiterlesen…

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2024-05-16