Pflegegipfel – jetzt! Was für eine bessere Pflege zu tun ist

Ein langer Tag mit intensivem Austausch geht zu Ende. In vier Diskussionsrunden haben wir uns gemeinsam mit Angehörigen, Pflegenden sowie Vertreterinnen und Vertretern von Krankenkassen, Pflegeverbänden, Gewerkschaften und weiteren Interessensverbänden mit den Herausforderungen in der Pflege befasst. “Wir befinden uns in einer akuten Notlage”, stellt unsere stellvertretende Fraktionsvorsitzende Lisa Kapteinat in ihrer Begrüßung fest. Allein im ersten Quartal 2023 waren mehr Träger insolvent als im gesamten Jahr 2022. Hohe Kosten und der Fachkräftemangel setzen die Einrichtungen und die Träger in NRW unter Druck. Tim Kurzbach, Oberbürgermeister von Solingen, bekräftigt: “Wenn keine Hilfe von außen kommt, geht das System kaputt.” Zustimmung bei den mehr als 70 Gästen.

Träger in Not

“Ausstattung der Trägerlandschaft – Im Stich gelassen oder Panikmache?” lautet das Thema der ersten Diskussionsrunde. Die Experten auf dem Podium sind sich einig: Jetzt müssen Lösungen auf den Tisch – von der kurzfristigen finanziellen Absicherung angesichts steigender Energie- und Betriebskosten bis hin zur perspektivischen Reform der Pflegeversicherung. Es braucht ein Investitionsprogramm NRW, um Einrichtungen auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. “Ihr wollt gute Pflege vor Ort?”, fragt Christian Woltering von der LAG. “Dann lasst es euch etwas wert sein.”






Ausbildung

Zum Start der Diskussion “Was tut NRW für eine qualitative Pflegeausbildung?” stellt Christian Germing (Caritasverband für den Kreis Coesfeld e.V.) fest: “Wir müssen aufhören, schlecht über die Pflege zu sprechen.” Nur so könne man das Interesse junger Menschen wecken. Mit einer soliden Ausstattung der Pflegeschulen mit Investitionsmitteln und Schulsozialarbeit, dem Abbau bürokratischer Hürden und einem staatlichen Studiengang für die Pflegeausbildung wollen die Podiumsgäste die Pflegeausbildung zum Zukunftsmotor machen.

Alle auf dem Pflegegipfel diskutierten Forderungen finden sich in unserem Positionspapier.

Pflegende Angehörige

Jahr für Jahr werden 12 Milliarden Euro nicht abgerufen, die Pflegebedürftigen und ihren pflegenden Angehörigen zur Verfügung stünden. Wie kann es sein, dass Menschen die ihnen zustehenden Leistungen nicht nutzen? Kathrin Anklam-Trapp, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag von Rheinland-Pfalz, weiß – passend zum Thema “Wie pflegende Angehörige jetzt unterstützt werden müssen” eine Antwort: “Es fehlen die Informationen, es fehlt die Unterstützung.” Das erfolgreiche Projekt GemeindeschwesterPlus bietet in Rheinland-Pfalz eine aufsuchende Beratung für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen und könnte auch für NRW eine Lösung bieten. Die Anwesenden sind sich einig, dass dafür der Ausbau der Pflegestützpunkte unerlässlich ist.

Entlastung

Die Frage “Wie entlasten wir unsere Pflegekräfte in NRW?” stellen sich die Gäste in der vierten und letzten Runde. Pflegekräfte aus dem Ausland können nur ein Teil der Lösung sein. So äußert sich Uwe Meyeringh von ver.di zur anhaltenden Belastung für die Mitarbeitenden: “Wir wollen, dass der Personalschlüssel besser wird.” Rund 80.000 Pflegefachkräfte in NRW haben sich von ihrem Beruf abgewandt. Diese mit besseren Arbeitsbedingungen zurückzugewinnen, könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein.

“Monatelang haben wir Gesundheitsminister Laumann dazu aufgefordert, aber er hat immer wieder abgelehnt.”

Für Lisa Kapteinat unterstreicht der Austausch noch einmal, wie wichtig es war, einen Pflegegipfel für NRW einzuberufen. “Es hat sich mehr als gelohnt, Trägerorganisationen, Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften und Krankenkassen an einen Tisch zu holen. Mehr als 70 Fachvertreterinnen und Fachvertreter haben ihre Perspektiven, Sorgen und Nöte aus erster Hand geschildert und mit uns gemeinsam Lösungsvorschläge entwickelt. Lösungsvorschläge, die sich auch Minister Laumann sehr genau anschauen sollte.” Der Gipfel habe gezeigt, dass alle Beteiligten hoch motiviert und bereit seien, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. “Aber dann muss die Landesregierung diesen Strang auch liefern. Bisher hat sie sich ja darauf konzentriert, die Verantwortung für die Pflege allein in Berlin abzuladen. Dabei kann sie jede Menge selbst in die Hand nehmen – sie muss es nur wollen und machen.“

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